Licht und Wärme

Wenn man Schildkröten in der Wohnung hält versucht man, ihnen möglichst naturnahe Bedingungen zu bieten. Neben der richtigen Ernährung sind Licht und Wärme wichtige Faktoren bei der Schildkrötenhaltung. Einfache Glühlampen und Leuchtstoffröhren reichen wegen der geringen Lichtausbeute nicht aus. Zum Vergleich: das Sonnenlicht kann eine Intensität von 100.000 Lumen erreichen, bei einer 60 W Glühlampe sind es 700. Nicht nur die Lichtintensität sondern auch die Art der Strahlung ist wichtig. In ihrer natürlichen Umgebung nutzen Schildkröten den UVB-Anteil des Sonnenlichts um Vitamin D3 zu produzieren, das für den Kalziumstoffwechsel notwendig ist.

Mischlichtlampen

(dieser Artikel wurde im Landschildkrötenforum von Editha Krüger geposted)

Powersun (ZooMed), Active UV Heat (Wild Inside), Reptile UV Heat (M&S), aber auch Vitalux (Osram) und Sanolux (Radium) sind Mischlichtlampen unterschiedlicher Wattstärke (100W, 160W, 300W) mit UVB durchlässigem Glas. Darin unterscheiden sie sich offensichtlich von den "normalen" Mischlichtlampen ML-R (Philips) und der nicht mehr lieferbaren HWL-R von Osram.

Mischlichtlampen haben zwei verschiedenartige Lichtquellen integriert:

1. Eine normale Glühwendel, die wie die Sonne ein kontinuierliches Lichtspektrum aussendet (im weitesten Sinne eine wenn auch schiefe Glockenkurve), allerdings mit relativ höherem Infrarotanteil als die Sonne. Die Lichtfarbe des Glühlampenanteils ist also ins Rote verschoben.

2. Eine Hochdruck-Entladungslampe (Quecksilberdampfbrenner wie die HQL), bei der die Strahlung durch Anregung von Quecksilberatomen entsteht, die daraufhin hauptsächlich UV-Strahlung und kurzwelliges sichtbares Licht abgeben. Es ist jedoch kein kontinuierliches Spektrum, sondern ganz scharfe Linien, die für Hg hauptsächlich bei 254, 265, 280, 302, 313, 334, 365, 405, 436, 492, 546, 578, 623, 691 nm liegen.

Diese Linien überlagern sich mit dem kontinuierlichen Spektrum des Glühlichtes. Insgesamt ergibt sich so ein bläulich weißes Licht mit UV-Anteil.

Die UV-C und die UV-B Strahlung werden von normalem Glas weitgehend absorbiert. Deswegen wird bei den Terrarienausführungen der Mischlichtlampen und der "Höhensonne" Vitalux UV-B (teil-)durchlässiges Glas verwendet. Die OVL gibt auch Wellenlängen um 300nm ab, die physiologisch sehr viel wirksamer sind (im Guten wie im Schlechten) als UV-B im Bereich von 310nm, bei dem die Powersun und Co beginnen. Deswegen darf man die Vitalux nur Minutenweise einsetzen, die Powersun und Co aber ganztägig und nicht, wie man vielleicht von der Leistung (100W zu 300W) schließen könnte, dreimal so lang.

Die HQL ist eine ähnliche Entladungslampe wie die Mischlichtleuchte, hat aber keine integrierte Glühwendel. Sie braucht deshalb ein externes Vorschaltgerät zur Strombegrenzung, das meist in der Lampe (nicht Birne) integriert ist. Desweiteren sind in der Birne Leuchtstoffe aufgetragen, die die entstehende UV-Strahlung in sichtbares Licht umwandeln. Die HQL hat deswegen eine bessere Lichtausbeute, gibt aber so gut wie kein UV-B ab.

Praktische Tipps:

1. Unbedingt vor dem Kauf eine Garantie ausmachen, am besten schriftlich, und den Kassenzettel gut aufheben. Die Dinger haben gelegentlich eine ärgerlich kurze Lebensdauer.

2. Diese Birnen erzeugen einen Großteil ihrer Wärme nicht wie normale Glühlampen im Kolben sondern im Birnenhals, weil dort der Hg-Brenner angesiedelt ist. D.h sie strahlen weniger nach unten ab und überhitzen deshalb leicht. Man darf sie nur in sehr weiten Lampenschirmen betreiben, sonst schalten sie im 5 Minutentakt aus und an.

3. Trotzdem ist es nicht ratsam, sie ohne Lampenschirm nur in einer Fassung zu betreiben, denn die UV-Strahlung wird auch an der klaren Stelle (Isolierstelle) zwischen Schraubgewinde und dem Beginn des aufgedampften Reflektors abgegeben. Das ist meist genau in Augenhöhe des Tierhalters, Augenschäden!!!

4. Man darf auch die 100W Ausführung nur in einer Keramikfassung betreiben, da die Birnen wie gesagt an der relevanten Stelle deutlich heißer werden als normale Glühlampen.

Fazit: Aufgrund der Tatsache, daß die OVL in der Humanmedizin wegen ihrer sehr kurzwelligen, energiereichen Strahlung seit Jahren äußerst kritisch betrachtet wird, ihrer Probleme, die sich durch Vergessen ergeben, sowohl beim An- wie beim Ausschalten, denn ein unbeaufsichtigter Betrieb einer 300W UV-Lampe per Zeitschaltuhr ist nicht ratsam, sind Powersun und Co trotz einiger, lösbarer, technischer Probleme auch bei Landschildkröten eine bedenkenswerte Alternative. Für Wasserschildkröten sind sie wahrscheinlich das einzig Praktikable, solange nicht genau geklärt ist, welche Mengen UV-Strahlung von Halogen-Metalldampflampen (HQI) abgegeben wird. Hier ist sowohl ein Zuwenig wie ein Zuviel denkbar!!!